Zu viele Verletzte im Fußball

Mein Anliegen ist es, Athletinnen und Athleten dabei zu helfen, verletzungsfrei zu bleiben. Dafür habe ich das Konzept "Verletzungsprävention 2.0" entwickelt.

 

Viel zu oft liest man in den einschlägigen Sportmedien von verletzungsbedingten Ausfällen von Fußballspielern. Oft trifft es Vereine besonders hart, wenn sie gleich mehrere Leistungsträger innerhalb weniger Wochen durch Verletzungen verlieren. Aber anstatt sich mit Schuldzuweisungen und Einzelursachen zu beschäftigen, wäre man besser beraten, sich das gesamte System im Verein anzusehen. Ob und wie Prävention betrieben wird, bzw. wie die Synergien zwischen Prävention und Training aussehen.

Verletzungsstatistiken

Zur österreichischen Bundesliga habe ich aktuell nur hier eine Auflistung der verletzten Spieler gefunden.

Sie wurde am 18.7.2020 aktualisiert und weißt 89 verletzte Spieler aus 11 Vereinen (ohne WSG Wattens) auf. Sieht man jedoch genauer hin und zieht die in den letzten Runden  wieder eingesetzten Spieler ab, kommt man auf 47 Spieler, d.h. durchschnittlich 4 bis 5 Spieler pro Verein.

Ich werde am Montag bei der Bundesliga nachfragen, ob sie eine seriöse und aktuelle Verletzungsstatistik führen. (Anmerkung: In einer Mail am 23.7.20 verweist mich Herr Slezak von der Medienstelle der Bundesliga an die Bundesligaklubs, da die Bundesliga selbst darüber keine Statistik führt.)

Für die deutsche Bundesliga gibt es auf dieser Seite eine aktuelle Statistik. Hier werden die durchschnittlichen Verletzungstage pro Spieler nach Verein angeführt, also wie viele Tage ein Verein auf jeden seiner Spieler im Schnitt verzichten muss. Der Gesamtschnitt für die ganze Liga liegt für die Saison 19/20 bei ca. 50 Tagen pro Kaderspieler.

Kostenkalkulation

Der Bereich „Sicherheit im Sport“ an der Ruhr-Universität Bochum hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund e. V. (DFB) und der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) sowie der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) als dem Unfallversicherer der deutschen Fußballprofis über mehrere Jahre die Verletzungen im Berufsfußball und deren Folgen genauer analysiert.

Laut diesen Erhebungen fallen in der deutschen Bundesliga bei einem verletzungsbedingt nicht einsetzbarem Spieler Gehaltskosten von durchschnittlich 3.500 Euro pro Tag an.

Multipliziert man das mit 50 Tagen und der Anzahl der Kaderspieler aller Bundesligavereine, entstehen daraus unglaubliche 90 Millionen Euro pro Saison an Kosten für Verletzungen.

Angesichts dessen sind die Kosten für Präventionsarbeit leicht gedeckt, wenn man dauerhaft nur einen einzigen Spieler weniger auf der Verletztenliste stehen hat. Selbst wenn man in der österreichischen Bundesliga wahrscheinlich mit einem deutlich geringeren Betrag kalkuliert als den durchschnittlich genannten 3.500 € pro Tag in der deutschen Bundesliga.

Fazit

Es liegt auf der Hand, dass die Vereine daher versuchen, über die Entwicklung von Präventivmaßnahmen und deren Implementierung in den Spiel- und Trainingsbetrieb eine Reduzierung von Häufigkeiten und Schwere der Verletzungen zu erreichen. Aber wie man sehen kann, funktioniert das nicht zufriedenstellend. Warum?

 

Tut man zu wenig in der Prävention?

Fehlt die Konsequenz bei der Umsetzung der Maßnahmen?

Fehlt das Know-How?

Greifen die Maßnahmen zu kurz?

Sind die Maßnahmen die falschen?

Vergisst man, Prävention von mehreren Seiten anzugehen?

Wird Prävention isoliert von den restlichen Trainingsmaßnahmen betrachtet?

 

 

Wir müssen die richtigen Antworten auf diese Fragen finden. Und wir müssen damit beginnen,  Verletzungsprävention den Stellenwert eines eigenständigen Bereichs innerhalb des gesamten Trainingskonzepts einzuräumen, der mit allen anderen Bereichen (Techniktraining, Konditionstraining, Rehatraining und – ja – Taktiktraining) harmoniert und zusammenarbeitet.

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