Der Wert einer Verletzungsstatistik

Die Verletzungsstatistik ist die Basis in der Verletzungsprävention.

Warum ist das Erstellen und Führen einer akkuraten Verletzungsstatistik im Leistungssport nicht Standard? 

Ich kann es mir nur so erklären, dass das Training mit gesunden Athleten und die Behandlung und Rehabilitation verletzter Athleten getrennt abläuft. Räumlich, zeitlich und personell. 

Getrennt heißt, da agiert der Trainerstab, dort die medizinische Abteilung. Sobald diese ihr ok gibt, werden die Athleten wieder ins Training integriert. Dazwischen sind sie aus dem Blickfeld. Und oft gibt es zusätzlich noch unterschiedliche Ärzte und Physiotherapeuten, die von den Athleten konsultiert werden. Bei diesen aber liegt Einsicht in die Verletzungsdaten. Von ihnen und der Kommunikationskultur im System hängt es ab, wie gut das Wissen und der Überblick aller Beteiligten zur gesamten Verletzungssituation ist. Und daran mangelt es.

 

Der unschätzbare Wert einer akkuraten Verletzungsstatistik

Alleine dadurch, dass man eine Verletzungsstatistik führt, hat man schon weniger Verletzungen.  

Was? Warum?

Die Verletzungsstatistik ist vor allen Dingen eine Kommunikationsgrundlage. Man kann jede Woche in die Verletzungsstatistik reinschauen und mit allen Beteiligten darüber kommunizieren. Spezialtrainer, Athletiktrainer, Physiotherapeut, Masseur, Arzt, Athleten, etc.

Ein nüchterner Datensatz, der die Gespräche in eine sinnvolle Richtung bringt. Denn sie hilft allen, um zu checken: Machen wir wirklich Fortschritte in dem, was wir tun? Lasst uns mal über die letzte Woche, die letzten Monate reden. Wo stehen wir jetzt  im Vergleich zum letzten Jahr in dieser Phase?

 

Genau so sinnvoll wie einfach zu erstellen

Sämtliche Kategorien, die man über eine Verletzung wissen möchte, können sehr einfach per Dropdown in einer Exel-Datei erstellt werden. 

Und alles, was es benötigt, ist eine dafür zuständige Person und ein reibungsloser Datenfluss hin zu dieser Person, um Fragen wie folgende zu beantworten:

  • Die Ausfälle der letzten Saison?
  • Die Zahl der gesamten Ausfalltage?
  • Ausfalltage pro Athlet?
  • Welche Vorverletzungen bei welchem Athleten?
  • Wie viel Prozent der Ausfalltage durch Krankheiten verursacht?
  • Welche Verletzungsarten?
  • Training- oder Spielverletzung?
  • In welchem Areal des Spielfeldes?
  • Zu welcher Zeit im Spiel? 
  • etc.

 

Liebe Sportfachverbände – hier gibt es was zu tun für euch!

In Deutschland gibt es die Seite fussballverletzungen.com, die sich mit der statistischen Auswertung von Verletzungsdaten im deutschen Fußball befasst. Ihre Datengrundlage beruht auf den Quellen von Vereinsangaben auf Pressekonferenzen oder deren Homepages, Medienberichten und Seiten wie ligainsider und transfermarkt. 

Darüber hinaus kann man auf der Seite statista.com Verletzungsdaten zum deutschen Fußball finden, jedoch ist das Abrufen der dort erstellten Statistiken großteils kostenpflichtig. Das obige Bild ist dieser Seite entnommen.

Für den österreichischen Fußball gibt es das leider nicht, die Bundesliga verweist auf die einzelnen Klubs. Diese halten sich leider bedeckt mit Auskünften, alle tüfteln für sich an Einzellösungen. Damit sind wir wieder bei den eingangs erwähnten Hürden. Kein Überblick über die Daten, keine Möglichkeit gemeinsamer Lösungen.

Das wäre meiner Meinung nach eine Aufgabe für den ÖFB und für alle Sportfachverbände in Österreich. Sie könnten (sollten, müssten) für ihre Sportart mit Hilfe von transparent geführten Verletzungsstatistiken Strategien erarbeiten, um Verletzungen ohne Fremdeinwirkung auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

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